{"id":1821,"date":"2023-05-12T10:20:27","date_gmt":"2023-05-12T08:20:27","guid":{"rendered":"https:\/\/residence-secondaire.eu\/?p=1821"},"modified":"2023-05-14T15:58:55","modified_gmt":"2023-05-14T13:58:55","slug":"secondary-residence-graz-tag5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/residence-secondaire.eu\/pt\/secondary-residence-graz-tag5\/","title":{"rendered":"SECONDARY RESIDENCE GRAZ TAG#5"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich kenne mich mit Kunst kaum aus, ich wei\u00df nur, welche Gedanken mir im Kopf herumschwirren. Zum Beispiel: Der Stra\u00dfenl\u00e4rm, den ich als laut empfand, wurde von Sandra nicht wahrgenommen und Daniela interpretierte ihn positiv als Lebendigkeit. Ich hoffe, dass die, die neben der Stra\u00dfe leben, diesbez\u00fcglich mehr wie die beiden sind. \u00c4hnlich ist es sicher auch bei der Wahrnehmung des Viertels durch seine Bewohner:innen \u2013 es wird geliebt, gehasst und alles dazwischen. Manche werden es als ihre Heimat sehen, manche maximal als Zweitwohnsitz, w\u00e4hrend ihre Herzen bei ihren Lieben in anderen L\u00e4ndern sind, manche als Ort der Sicherheit im Vergleich zu den Orten, von denen sie geflohen sind\u2026 und manche nehmen den Ort vielleicht gar nicht wahr, sind vielleicht mit ihren prek\u00e4ren Jobs oder pers\u00f6nlichen Problemen so belastet, dass die Umgebung unwichtig ist. So wie ich im Viertel \u00fcblicherweise ja auch nur von Punkt zu Punkt unterwegs bin, d.h. mein Blick v.a. auf der Stra\u00dfe ist \u2013 und wenn ich wo etwas essen will, \u00fcberlege ich wie ein Navigationssystem, wo ich bin und was in der N\u00e4he ist. Bzw. welche Lokale, die ich kenne, in der N\u00e4he sind. Meine \u201eMental map\u201c hat netterweise in den letzten Tagen einige neue \u201eEintr\u00e4ge\u201c erhalten, ich werde k\u00fcnftig ein bisschen mehr Auswahl beim Essen haben. Und zu Yusuf, dem netten und wirklich witzigem Wirt, mit dem Daniela ins Gespr\u00e4ch kam, nachdem er sie nach ihrer \u201eHerkunft\u201c fragte, gehe ich k\u00fcnftig vielleicht auch deshalb, weil er Kundschaft wirklich gebrauchen kann. Seine Preise sind im Vergleich zu den allgemeinen Preissteigerungen in letzter Zeit noch moderat, aber dennoch zu hoch f\u00fcr viele Leute in der Umgebung (es sind uns einige \u201eEssensautomaten\u201c aufgefallen und das englische Pub gleich bei ihm ums Eck hat scheinbar mittlerweile nicht mehr ge\u00f6ffnet \u2013 nur von au\u00dfen sieht es noch aus wie davor).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim Essen und Trinken erfuhren wir heute viel \u00fcber zwei Lokalp\u00e4chter, ihre unterschiedlichen Lebenswege, ihre W\u00fcnsche und ihren Alltag. Im einen Lokal sind die Anwesenden abends schon sehr betrunken. Sie scheinen mir fast wie eine Familie \u2013 sie haben sich gegenseitig bis sie genug getrunken haben. Nach Hause kommen muss man noch \u2013 etwa 90 % derer, die regelm\u00e4\u00dfig dort sind, wohnen in Fu\u00dfdistanz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWoher kommst du?\/Woher kommen Sie?\u201c &#8211; diese Frage kommt den meisten v\u00f6llig harmlos vor. Man denkt nicht daran, was es mit jemandem macht, wenn man diese Frage st\u00e4ndig gestellt bekommt. \u201eEs kommt auch auf die fragende Person und auf die Situation an\u201c, erkl\u00e4rt mir Daniela. Wie wichtig solche Gespr\u00e4che doch sind, um untereinander einf\u00fchlsamer sein zu k\u00f6nnen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abends ist die Stra\u00dfe sogar mir ruhig genug, dass ich fast das Gef\u00fchl habe, ich \u201eflaniere\u201c an ihr entlang durch Viertel. Hier ist es, wo der Bewohner gemeint hatte, es sind so viele D\u00f6ner-Shops nebeneinander, dass man gerade sehr g\u00fcnstig einen kaufen kann. Und wir sehen auch einen g\u00fcnstigen Friseur. Ein Gesch\u00e4ft mit Gew\u00fcrzen und frischen t\u00fcrkischen S\u00fc\u00dfigkeiten hat um 20:45 noch ge\u00f6ffnet. Die einzige Verk\u00e4uferin tr\u00e4gt Kopftuch und spricht akzentfrei Deutsch. Ich suche (nachdem wir uns ein wenig mit Kaffee und S\u00fc\u00dfem eingedeckt haben) beim Hinausgehen nach den \u00d6ffnungszeiten an der Fensterscheibe und finde keine. Eine Stunde sp\u00e4ter ist das Gesch\u00e4ft dann aber doch geschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcberhaupt Einkaufen\u2026 es ist spannend zu sehen, was es an Lebensmitteln gibt, die in den Gesch\u00e4ften, in denen ich meine Eink\u00e4ufe t\u00e4tige, nicht zu finden sind: frische Minze, verschiedene Sorten Pfefferoni, Okra\u2026 und nat\u00fcrlich Baklava und viele fertig verpackte Lebensmittel und S\u00fc\u00dfigkeiten, durch die man sich durchprobieren k\u00f6nnte. Bei den Keksen haben wir drei Sorten probiert \u2013 sie sind uns tendenziell zu s\u00fc\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und damit ich nicht nur vom Essen schreibe, erw\u00e4hne ich noch den Mann, der vorm Gesch\u00e4ft seines Sohnes (?) steht und mit den Nachbar:innen redet, so dass er mir fast einsam vorkam. Und das Projekt, von dem wir geh\u00f6rt haben, das mir gut gefiel, bei dem es darum geht in Schulen und Kinderg\u00e4rten pr\u00e4ventiv mit Kindern zu arbeiten, weil Rassismus ja erlernt wird. Und dass Yusuf uns erz\u00e4hlte, dass Leute, mit denen er zum ersten Mal eine Weile spricht, manchmal ausl\u00e4nderfeindlich sind, aber nach einer einem kurzen Gespr\u00e4ch mit ihm sind sie es zwar theoretisch immer noch, aber sie meinen \u201enaja, DU nicht\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist mehren Gespr\u00e4chspartner:innen wichtig, dass unser Output Gries nicht darauf reduziert, dass hier Menschen aus 131 Nationen leben. Auch den Begriff \u201eIntegration\u201c sehen einige kritisch, da \u201eder Mainstream ihn sich einverleibt hat\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Eindr\u00fccke und Informationen werden auch noch Zeit brauchen, sich \u201ezu setzen\u201c \u2013 aber dennoch diskutieren wir weiterhin mit viel Energie \u00fcber m\u00f6gliche Kunstprojekte (mehr als Kunstobjekte). Das wird wohl auch die n\u00e4chsten Tage noch so sein. Und so lerne ich auch noch mehr \u00fcber Kunst und was wie umsetzbar ist oder nicht. Danke an meine WG-Kolleginnen f\u00fcr eure Geduld mit mir!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich kenne mich mit Kunst kaum aus, ich wei\u00df nur, welche Gedanken mir im Kopf herumschwirren. 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